Outdoorsport bei schlechtem Wetter – da ist die Liste an Ausreden lang: zu kalt, zu nass, zu matschig. Wie Sie sich überwinden und schnell fitter, entspannter und glücklicher werden können, wissen die Gesundheitsexperten in den bayerischen Heilbädern und Kurorten. Hier ein paar Tipps für die Motivation zu Hause.

Jeder kennt ihn, jeder hat ihn und jeder muss gegen ihn kämpfen: Den inneren Schweinehund, der sich immer dann meldet, wenn es um anstrengende Tätigkeiten geht. Outdoorsport bei schlechtem Wetter ist so ein Beispiel, bei dem innerer Widerstand programmiert ist. Denn das menschliche Gehirn liebt nun einmal Gewohnheiten und hasst Anstrengungen.

Sich zum Sportmachen verabreden

Am besten lässt man sich gar nicht erst auf die Diskussion mit dem Schweinehund ein, sondern hält an seinem Vorhaben fest – egal, ob es draußen regnet, windet oder schneit. Hilfreich ist es auch, mit den Menschen im eigenen Umfeld die Outdoor-Sporteinheit nicht zu diskutieren, sondern sofort loszulegen. Denn Freunde und Familie kennen und verstehen die Schweinehund-Argumente – und das trägt leider nicht zur Motivation bei. Ein guter Ansporn hingegen ist es, sich mit einem Trainingspartner zu verabreden. So fällt das Ausfallenlassen schwerer. Und zu zweit machen die meisten Dinge auch mehr Spaß. Gruppendynamik ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, wie die Diplomsportlehrerin und Sportphysiotherapeutin Jana Schäfer-Schalk aus Bad Füssing weiß. Sie bietet wie viele Bewegungsexperten in den bayerischen Heilbädern und Kurorten Outdoorsport-Kurse an. Die sportlichen Aktivitäten finden bei jedem Wetter im Freien statt – Wandern, Nordic Walking, Joggen oder Radfahren –, da diese nicht nur gut für den Körper sind, sondern auch für die seelische Balance und das Wohlbefinden. Die tägliche halbe Stunde Bewegung an der frischen Luft stärkt das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem, senkt den Blutdruck, reguliert den Stoffwechsel, schüttet Glückshormone aus und fördert das Selbstbewusstsein. „Wer abnehmen will, macht noch ein bisschen länger, denn nach 30 Minuten Ausdauersport springt die Fettverbrennung an“, erklärt Jana Schäfer-Schalk.

Wettergerechte Kleidung nach dem Zwiebelprinzip

Bei kaltem und nassem Wetter muss die Sportbekleidung angepasst werden: Sie sollte winddicht, wasserabweisend oder sogar wasserdicht sein. Lange Kleidung schützt die Gliedmaßen vor dem Auskühlen. „Am besten man trägt nach dem Zwiebelprinzip mehrere dünne Schichten übereinander“, meint Bewegungsexpertin Jana Schäfer-Schalk. Als unterste empfehlen sich Naturfasern wie Merinowolle, die den Körper auch im verschwitzten Zustand warm halten und ein Wohlfühlklima erzeugen. Bei Temperaturen unter sechs Grad muss der Kopf mit einer Mütze geschützt werden. Denn 50 Prozent der Wärmeenergie geht über Kopf und Stirn verloren. Je nach Sportart gibt es Unterschiedliches zu beachten: Radfahrer beispielsweise bekommen bei Schmuddelwetter schnell kalte Füße und Hände. Und ohne Brille tränen die Augen. Für alle Outdoorsportarten gilt in den dunklen Wintermonaten: Helle Oberbekleidung, Reflektoren und ab nachmittags die Stirnlampe nicht vergessen.

Strecken dem Wetter anpassen

Die Wahl der Strecke entscheidet bei schlechtem Wetter, ob die Trainingseinheit Spaß macht oder nicht. Ist es nass, eignen sich gute ausgebaute Wege besser als matschige Pfade, auf denen Rutschgefahr besteht. Ohne auf Hindernisse zu achten, lässt sich die Ruhe, die die Natur beispielsweise bei Regen oder Schneefall ausstrahlt, besser genießen. Ein Tag mit dieser besonderen Atmosphäre bleibt oft besser in Erinnerung als ein Schönwetter-Tag.

 

Hier sehen Sie eine Frau in Regenjacke mit Kopfhörern im Ohr. Sie hält die Handinnenfläche nach oben und schaut in den Himmel.
© shutterstock - Mit der richtigen Musik auf dem Ohr, kann man den Regen rundherum fast vergessen

Musik als Motivator

Wer immer noch am Zögern ist, kann sich vielleicht mit diesem Trick überlisten: Eine Sport-Playlist mit der Lieblingsmusik erstellen und diese beim Sport hören. Denn treibende Beats und schnelle Rhythmen wirken anregend auf Körper und Geist. Sportwissenschaftler empfehlen zum Beispiel Songs wie "Happy" von Pharrell Williams. Dieser hat ein Tempo von 160 „Beats per minute“,  angeblich der optimale Takt, um Bewegungen anzutreiben. Gute Laune inklusive.

Belohnung und Geduld muss sein

Nach der Outdoor-Sporteinheit sollte man sofort die nassen Sachen ausziehen und heiß duschen. Außerdem ist jetzt der Zeitpunkt für eine kleine Belohnung gekommen. Vielleicht spornt Sie ein Saunagang an, oder Sie werfen für jedes Mal Sporteln fünf Euro in ein Sparschwein und gönnen sich am Ende der nasskalten Jahreszeit etwas, was Sie schon immer tun oder haben wollten. Als kulinarische Belohnung nach dem Training empfehlen die Gesundheitsexperten in den bayerischen Heilbädern und Kurorten beispielsweise einen frisch gemachten Smoothie, der viele Vitamine, Ballaststoffe und sekundäre Pflanzenstoffe enthält. Die Bad Füssinger Diplomsportlehrerin Jana Schäfer-Schalk rät auch zu ein paar Wochen Geduld: „Dann hat sich die neue Gewohnheit zu einem Bedürfnis entwickelt.“ Wer regelmäßig draußen Sport macht, merkt schon nach zwei bis drei Wochen die ersten Veränderungen - gesundheitlich, körperlich und optisch. Und das ist die beste Motivation!

Hier einige Angebote und weitere Tipps:

Michaela Strassmair

Michaela Strassmair ist im tiefsten Oberbayern neben Skilift und Tennisplatz aufgewachsen, was sie zu einem Bewegungs-Junkie machte. Als sie immer wieder mit dem Fahrrad durch Südostasien reiste, begründete sie dies erst mit ihrem Ethnologie-Studium, später als Reisejournalistin. So faszinierend die exotischen Länder und Menschen auch waren – irgendwann stellte sie fest, dass es in Bayern doch am schönsten ist. Seither verbringt sie jede freie Minute in den Bergen und befasst sich mit ihrem Lieblingsthema „Wie bleibt man mit natürlichen Mitteln gesund, fit und glücklich“.

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