Brot, Backwaren, Nudeln, Müsli, Ketchup, Schokolade – alles ganz normale Lebensmittel. Allerdings nicht für Menschen mit Zöliakie. Denn diese Nahrungsmittel enthalten Gluten, das bei Unverträglichkeit krank machen kann. Für Betroffene kann ein eigentlich entspannter Urlaub so schon mal schnell zum Hürdenlauf werden. Doch es geht auch anders:

Einige bayerische Heilbäder und Kurorte haben sich auf Menschen mit Allergien und Lebensmittelunverträglichkeiten spezialisiert. Glutenfreie Produkte in Supermärkten und Hotelbuffets mit glutenfreien Speisen sind hier selbstverständlich – genauso wie Gesundheitsexperten, die auf Wunsch mit speziellen Kochkursen, Themen-Wanderungen oder Ernährungsberatungen unterstützen.

Vom Backen kennt jeder das Klebereiweiß Gluten: Es steckt in den meisten Getreidesorten und sorgt dafür, dass sich die Backzutaten zu einer homogenen Masse verbinden und der Teig elastisch bleibt. Bei ungefähr einem Prozent der Deutschen löst dieses Klebereiweiß jedoch eine Überreaktion des Immunsystems aus. Diese führt zur entzündlichen Darmerkrankung Zöliakie. Bei der Autoimmunkrankheit bilden sich die Dünndarmzotten zurück und die Darmschleimhaut wird so stark geschädigt, dass nicht mehr genügend Nährstoffe ins Blut gelangen können. Die Folge sind gravierende Mangelerscheinungen. Das Fehlen lebenswichtiger Vitamine und Spurenelemente löst mit der Zeit viele Beschwerden aus.

Königsweg: glutenfreie Ernährung

„Chamäleon der Medizin“ heißt die Zöliakie auch, weil sie sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise zeigt. Laut der Deutschen Zöliakie-Gesellschaft leiden etliche von den rund 800.000 Betroffenen im Land unter Bauchschmerzen, Durchfall und Blähungen. Viele sind aber auch von ganz anderen Symptomen wie Müdigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Nachtblindheit, Gelenkbeschwerden oder Hautproblemen geplagt.

Stellt der Facharzt durch einen Bluttest in Kombination mit einer Dünndarmbiopsie eine Zöliakie fest, hat dies lebenslange Konsequenzen: Da es bislang noch keine heilende Therapie gibt, ist eine glutenfreie Ernährung der einzige Behandlungsweg. Doch die gute Nachricht dabei ist: Es braucht keine Medikamente. Allein der Verzicht auf Gluten lässt die Beschwerden schon nach kurzer Zeit verschwinden. Die entzündeten Darmzotten regenerieren sich. Und die Erkrankung ist rasch in den Griff gebracht.

Der Gang zum Buffet kann für Menschen mit Zöliakie schon mal schwierig werden – aber nicht in den bayerischen Heilbädern und Kurorten.
© Shutterstock / Kartashov Stas - Der Gang zum Buffet kann für Menschen mit Zöliakie schon mal schwierig werden – aber nicht in den bayerischen Heilbädern und Kurorten.

Sensitivität und Unverträglichkeit

Neben wirklich Zöliakiebetroffenen gibt es aber auch viele Menschen, die das Klebereiweiß nicht gut vertragen. Man spricht dann von einer Glutensensitivität oder Glutenunverträglichkeit, die sich mit zöliakieähnlichen Symptomen äußert wie chronischer Müdigkeit, Bauch- oder Kopfschmerzen. Auch hier bringt eine glutenfreie Ernährung schnell das körperliche Wohlbefinden zurück.

Qualitätsgeprüfte Orte für Allergiker

Die Gesundheitsexperten in Bayerns Heilbädern und Kurorten kennen sich mit glutenfreier Kost gut aus und sind auf Zöliakie-Patienten eingestellt. Auch in den sechs zertifizierten allergikerfreundlichen Kurorten Bad Aibling, Bad Füssing, Bad Hindelang, Bad Reichenhall, Bad Staffelstein und Scheidegg ist alles auf das Leben ohne Gluten ausgerichtet. In Scheidegg beispielsweise gibt es ein breites Angebot für Menschen mit Zöliakie: von der geführten Wanderung mit glutenfreier Brotzeit, den Glutenfrei-Wochen im November und vielen Restaurants mit besonders umfangreichen glutenfreien Speisekarten.

Eingebettet zwischen Wiesen und Bergen liegt Scheidegg – ein idealer Urlaubsort für Menschen mit Zöliakie.
© AdobeStock/ARochau - Eingebettet zwischen Wiesen und Bergen liegt Scheidegg – ein idealer Urlaubsort für Menschen mit Zöliakie.

Genuss trotz Verzicht

Bei individuellen Ernährungsberatungen erfahren Urlauber, wie sie auch die kleinsten Diätfehler vermeiden können. Schon ein Brotkrümel, ein bisschen Mehlstaub oder ein Stück einer glutenhaltigen Nudel können Beschwerden auslösen. Die geschulten Köche verwenden nur glutenfreie Lebensmittel wie Mais, Reis, Hirse, Buchweizen, Quinoa, Amaranth, Soja, Sesam, Kartoffeln und zaubern aus frischem Obst, Gemüse und Kräutern sowie Fleisch, Fisch und Milchprodukten aus der Region leckere Gerichte. In Kochkursen teilen sie ihr Wissen, wie Menschen mit Zöliakie auch mit glutenfreier Ernährung zum vollen Genuss kommen. Dies ist auch interessant für diejenigen, die eine Glutensensitivität oder Glutenempfindlichkeit haben oder einfach bewusst glutenfrei leben wollen.

Hier einige Angebote und weitere Tipps:

Vor allem Backwaren aus Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer enthalten Gluten. Alternativen sind Mais, Buchweizen, Amaranth oder Teff.
© Bayerischer Heilbäder-Verband e. V. - Vor allem Backwaren aus Weizen, Roggen, Dinkel, Gerste und Hafer enthalten Gluten. Alternativen sind Mais, Buchweizen, Amaranth oder Teff.
Redaktion GESUNDES BAYERN

Hier schreiben GESUNDES BAYERN-Kolleginnen sowie Gesundheitsexpert/Innen aus den bayerischen Heilbädern und Kurorten.

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