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Die allergikerfreundliche Kommune Bad Hindelang

Allergien betreffen niemals nur eine Person, sie betreffen ganze Familien: Jeder Restaurantbesuch, jeder Urlaub, jeder Wochenendeinkauf muss mit der Erkrankung im Hinterkopf geplant werden. Besonders aufwendig ist das, wenn es Kinder betrifft, weil sie noch nicht selber auf sich Acht geben können. Leider stoßen die Betroffenen im Alltag nicht überall auf Verständnis. In Bad Hindelang zum Glück schon. Der Markt im Allgäu ist eine „allergikerfreundliche Kommune“ und mit der Alpenklinik Santa Maria steht hier eine Spezialklinik für Kinder und Jugendliche mit Allergien.

Allergikerfreundliche Kommune und Klinik: perfekte Zusammenarbeit

Prof. Dr. med. Josef Rosenecker ist der Chefarzt der Klinik. Er ist dankbar dafür, dass allergenfreie Lebensmittel aus der Region angeliefert werden können. Er empfindet das Projekt „Allergikerfreundliche Kommune“ als idealen Partner: „Wir brauchen unter anderem Bäcker und Metzger, die uns Produkte herstellen, die bei verschiedenen Nahrungsmittelallergien gegeben werden können.“ Welche Allergene in den Nahrungsmitteln enthalten sind, ist nicht immer offensichtlich. „Bei Wurst zum Beispiel ist oft Kuhmilchpulver enthalten. Das dürfen Kuhmilchallergiker nicht essen“, sagt Rosenecker. „Es ist ein großer Vorteil, dass es im Rahmen des Projekts vor Ort Lieferanten gibt, die wissen, worüber wir reden.“

Ein wachsendes Netzwerk für Allergiker seit 2011

Bereits 2011 wurde Bad Hindelang als allergikerfreundlich zertifiziert. Seitdem gibt es hier ein stetig wachsendes und regelmäßig überprüftes Netzwerk an Hotels, Gaststätten, Lebensmittelgeschäften und vielen anderen Betrieben, die sich auf Allergiker eingerichtet haben. Es gibt Hotelzimmer mit speziellen Teppichen und Matratzenbezügen, im Supermarkt gibt es ein großes Angebot an speziellen Lebensmitteln für Allergiker.

Auch die Familien der Klinikpatienten empfinden die Ausrichtung des Orts als Erleichterung. Hier müssen sie nicht immer mühsam erklären, worauf geachtet werden muss. Rosenecker: „Bei uns in der Klinik ist es sowieso unser täglich Brot, aber hier gilt das auch in der Kommune. Die Eltern sind sehr froh, wie streng hier auf alles geachtet wird.“

Schon von Natur aus ist der heilklimatische Kurort Bad Hindelang für Allergiker ein idealer Urlaubsort, weil die Allergen- und Schadstoffbelastung hier besonders gering ist. Der Ort ist umgeben vom Naturschutzgebiet der Allgäuer Hochalpen. 90 Prozent des Gemeindegebiets stehen unter Naturschutz. Und die Kulturlandschaft mit ihren Alpwirtschaften und bäuerlichen Strukturen ist ein ideales Erholungsgebiet.

Im Hochgebirge haben Hausstaubmilben schlechte Karten

Die Alpenklinik liegt im Ortsteil Oberjoch, im Hochgebirge auf 1.136 Metern Höhe. Rosenecker erklärt den Vorteil der Lage für die Behandlung am Beispiel von Asthmapatienten: „Etwa 90 Prozent der Kinder und Jugendlichen mit Asthma haben ein allergisches Asthma.“ Auslöser für die entzündliche Erkrankung der Atemwege sind häufig Pollen oder Hausstaubmilben. „Die Pollenbelastung ist bei uns viel geringer als im Flachland, weil die Vegetation anders ist und die Blütezeiten kürzer sind“, sagt Rosenecker. „Und durch die Höhenlage ist die Luftfeuchtigkeit für Hausstaubmilben zu gering.“

Der Chefarzt erlebt durch das besondere Hochgebirgsklima immer wieder Besserung der Beschwerden, die an Wunderheilungen grenzen: „Wir hatten vor kurzem einen Patienten aus Sachsen, der ganz schweres allergisches Asthma hatte. Zuhause war er permanent krank und musste ständig in die Klinik“, erinnert er sich. „Nach kurzer Zeit bei uns war er ein ganz aktives Kind, das kaum Beschwerden hatte.“ Kaum sei er über Weihnachten zu Hause gewesen, musste er aber wieder ins Krankenhaus. Inzwischen wurde eine praktische Lösung gefunden: Die ganze Familie ist ins Hochgebirge gezogen.

In die Klinik kommen vor allem Kinder im Rahmen einer vierwöchigen Rehabilitationsmaßnahme. Die allergenarme Umgebung hilft den Ärzten dabei, die medikamentöse Einstellung der Kinder vorzunehmen. Auch Akutpatienten werden in der Klinik versorgt – und Langzeitpatienten. „Das sind Patienten, die so schwer durch ihre Krankheit beeinträchtigt sind, dass sie den Schulbesuch zu Hause nicht mehr meistern können“, erklärt Rosenecker. An die Klink angeschlossen ist deswegen auch eine Schule. Bei Reha-Maßnahmen wohnt die Familie zusammen in einer Wohnung auf dem Klinikgelände. Das ist deswegen wichtig, weil auch die Eltern geschult werden müssen, wie sie mit der Allergie ihres Kindes umgehen. Damit der Alltag zu Hause so beschwerdefrei gelingt wie in Bad Hindelang.