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Intervallfasten: Wie es geht und was Sie beachten müssen

Ein Interview mit unserer Ernährungsexpertin Carina Sporrer

In Weißenstadt wird Intervallfasten seit knapp einem Jahr angeboten. Carina Sporrer ist Diätassistentin im Kurzentrum am See und betreut dort unter anderem Gäste, die im Rahmen des Angebots Heilsames Intervallfasten ihre Ernährung umstellen möchten. Ein Gespräch über 16/8, 20/4 und 5/2 und die Möglichkeit, Intervallfasten zuhause durchzuführen:

 

Frau Sporrer, was genau versteht man eigentlich unter Intervallfasten?

Beim Intervallfasten unterscheidet man einen vorgegebenen Fastenrhythmus, den man nach individuellem Gusto im Rahmen der drei Formen festlegen kann. Auf eine Fastenzeit folgt eine Essenszeit, entweder nach der Methode 16/8, 20/4 oder 5/2.

Was heißt denn das ­ 16/8, 20/4, 5/2? Klingt kompliziert.

Das ist es eigentlich gar nicht, gerade 16/8 ist sehr alltagstauglich und individuell auf den Lebensrhythmus anpassbar. Die Zahlen beschreiben die Zeitspannen, in denen gegessen und gefastet wird. 16 Stunden fasten, 8 Stunden essen. Oder 20 Stunden fasten und 4 Stunden essen. Bei der 5/2-Methode fastet man nach Tagen: 5 Tage essen, 2 Tage fasten.

Ok, das hört sich in allen drei Fällen irgendwie machbar an.

Ist es im Grunde auch. Jeder muss für sich entscheiden, was am besten zu seinem Leben passt. Wobei sich in der Praxis das 16/8 wirklich bewährt hat. 20/4 empfinden viele Gäste als knackig und bei 5/2 ist man zu sehr gebunden. Da dürfen zum Beispiel Essenseinladungen nicht genau in die beiden Fastentage fallen.

Was in der aktuellen Kontaktsperre-Zeit ja nicht das Problem wäre. Aber im Ernst: Darf ich in der Essenszeit nach Herzenslust schlemmen?

Leider nicht. Aber: Man muss beim Intervallfasten auf nichts verzichten, sogar naschen ist erlaubt. Die Menge macht´s halt. In der Essenszeit sprechen wir von „einer Handvoll“ als Maß: 2 Handvoll Obst, mindestens 3 Handvoll Gemüse und Milchprodukte, 4 Handvoll komplexe Kohlenhydrate wie Vollkornnudeln, Kartoffeln, Hülsenfrüchte. In der Fastenzeit verzichtet man auf Essen, darf und soll aber trinken – alles, was ohne Zucker ist. Also Tee, Wasser und schwarzer Kaffee. Die Gesamtmenge an Trinken liegt pro Tag bei 2 Liter. Alkohol enthält viel Zucker und sollte nach Möglichkeit weggelassen werden. Aber auch hier gilt: Ein Glas Wein ist ab und zu ok. Genauso wie eine Tafel Schokolade oder ein Snickers – halt die kleinen Versionen.

Wie sieht es mit dem JoJo-Effekt aus, wenn ich mich nicht mehr an die Intervalle halte?

Ziel vom Intervallfasten ist eine dauerhafte Ernährungsumstellung. Aus der Praxis kann ich sagen, dass dies nach der zweiten Intervallfasten-Woche bei uns im Haus eigentlich immer funktioniert. Und im Grunde kann man sein Leben lang Intervallfasten.

Ohne Einschränkung?

Insulinpflichtige Diabetiker, Menschen mit einer Leber- und Nierenerkrankung, einer nicht behandelten Schilddrüsenerkrankung oder einer Essstörung dürfen das Intervallfasten nicht machen. Gleiches gilt für Frauen in der Schwangerschaft oder Stillzeit.

Apropos Frauen: Ist das eine typische Frauendiät?

Keinesfalls! Zu uns kommen Männer und Frauen im Alter von 40-55 Jahren gleichermaßen, als Paar oder allein. Gerade Personen, die beruflich stark eingebunden sind, gönnen sich unserer Erfahrung nach diese Auszeit für die Gesundheit.

Ist es ratsam, das Intervallfasten ohne fachliche Begleitung zuhause zu starten?

Im Grunde kann man das tun. Wer sich unsicher ist, sollte vorher kurz mit seinem Hausarzt Rücksprache halten. Aber wenn man es nicht übertreibt, spricht eigentlich nichts dagegen. Man sollte sich halt nicht überfordern und berücksichtigen, dass Körper und Seele in dieser intensiven Zeit ohnehin schon viel zu tun haben. Daher meine Empfehlung: Hören Sie auf die Signale Ihres Körpers! Und erwarten Sie nicht zu viel: Pro Woche nehmen Frauen 1 bis 1,5 Kilo ab, Männer ungefähr 2 Kilo.

Welche positiven Effekte bringt mir denn das Intervallfasten, neben einem Gewichtsverlust?

Es wirkt sich positiv auf die Blutzuckerwerte und Bluthochdruck aus. Im Grunde kann man sagen, dass es die Symptome des metabolischen Syndroms reduziert. Und die Bauchspeicheldrüse freut sich in jedem Fall über die Pause in der Fastenzeit.   

Angebote in Weißenstadt am See