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„Mama hat Krebs“: In der Kombi-Reha für Mutter und Kind gemeinsam gestärkt werden

Hin- und hergerissen zwischen der Sorge um die Kinder und dem Wunsch, wieder gesund zu werden: Die Diagnose Krebs kann ein schwerer Schicksalsschlag für Frauen sein – und ihre gesamte Familie. Leiden dann noch die Kinder an einer chronischen Krankheit, fällt ein „normales“ Leben doppelt schwer. Hier setzt die Kombi-Reha „Mama hat Krebs“ in Scheidegg an. Das Besondere: Inmitten der Allgäuer Natur werden Mutter und Kind gemeinsam behandelt – und gestärkt für den Alltag.

Das weiße Gebäude der Paracelsus Klinik wirkt beruhigend und einladend. Viele der 200 Zimmer besitzen einen eigenen Balkon oder eine Terrasse. Endlich Zeit durchzuatmen. Zwischen Bodensee und Alpen liegt Scheidegg – ein heilklimatischer Erholungsort im Allgäu. Hier, wo die Sonne überdurchschnittlich oft scheint, erholen sich Mutter und Kind in zwei Fachkliniken von schweren Erkrankungen.

„Mama hat Krebs“: Reha und Familie unter einem Dach

Langwierige und kräftezehrende Therapien trennen viele Krebspatientinnen monatelang von ihren Familien. Eine Zeit, in der sie ihre Kinder häufig allein lassen müssen. Das fällt schwer und schmerzt – vor allem, wenn die Kleinen selbst körperlich oder psychisch krank sind. Endlich wieder zuhause angekommen, verzichten die Frauen deshalb oft auf eine Reha, die an die Therapie anschließt.

Genau hier setzt ein bundesweit einzigartiges Konzept an. Damit krebskranke Frauen Kraft tanken und gleichzeitig Zeit mit ihren Kindern verbringen können, bieten zwei Fachkliniken in Scheidegg seit 2012 die Kombi-Reha „Mama hat Krebs“. In der Paracelsus-Klinik unterstützen Experten die Mütter. Währenddessen werden die Kinder in der nahegelegenen Fachklinik Prinzregent Luitpold unter der Leitung von Dr. Thomas Hermann behandelt. „Die Kinder stehen dabei genauso im Mittelpunkt wie die Mutter, beide sind unsere Patienten“, betont Dr. Holger G. Hass, Chefarzt der Paracelsus-Klinik und Spezialist für onkologische Rehabilitation.

Auf die Idee kamen die Experten durch lange Gespräche mit Betroffenen, erzählt Dr. Hass: „Wir haben sehr viele junge Mütter mit der Diagnose Krebs bei uns, die Zeit für sich brauchen – und gleichzeitig nach Hilfe suchen: Die Frauen wissen oft nicht, wie sie mit ihrem kleinen Kind über ihre Krankheit sprechen können.“

Onkologische Rehabilitation: nach dem Krebs zurück in den Alltag finden

Die Paracelsus-Klinik Scheidegg ist eine der führenden Krebsnachsorgekliniken Deutschlands. Sie behandelt Frauen mit Brustkrebs, gynäkologischen Tumoren und Krebsformen der Verdauungsorgane.

Bei der Diagnose Eierstock- oder Brustkrebs sind viele der Patientinnen jünger als 40 Jahre – stehen mitten im Leben, haben eine Familie und sind berufstätig. Sie erleben die ganz „normalen“ Sorgen des Alltags. Doch plötzlich dreht sich ihr Leben um Krankheit, Ängste und Zweifel. „Sie haben oft eine aggressivere Therapie und Tumorerkrankung als ältere Menschen“, sagt Dr. Hass.

Daher leiden jüngere Frauen auch häufiger unter chronischen Nebenwirkungen wie einem postoperativen Lymphödem (Schwellung der Haut), Müdigkeit (Fatigue) oder einer Nervenschädigung infolge bestimmter Chemotherapeutika. Ziel der Reha ist es, diese unerwünschten körperlichen Begleiterscheinungen gezielt zu behandeln, die Mütter nachhaltig zu stärken – und es ihnen leichter zu machen, wieder in den Alltag zurückzukehren.

Neben einem gezielten Sport- und Physioprogramm liegt einer der therapeutischen Hauptschwerpunkte im Bereich der Psychoonkologie. Dabei werden die Krebspatientinnen vielfältig psychologisch betreut:

  • Sie führen einzel- und gruppentherapeutische Gespräche, in denen sie das Erlebte reflektieren und sich mit anderen Betroffenen darüber austauschen.
  • Die Experten helfen den Patientinnen, mit ihrer Krankheit und den Folgen besser umzugehen.
  • Die Frauen lernen verschiedene Entspannungstechniken und achtsamkeitsbasierte Meditation, Yoga oder Qi Gong, um nach der schweren Zeit wieder abzuschalten und innere Ruhe zu finden.
  • Bewegungs- und sporttherapeutische Therapiemodule unterstützen die Frauen dabei, wieder Vertrauen in ihren Körper zu fassen.

Auszeit für therapiebedürftige Kinder

Zur selben Zeit kümmern sich die Ärzte und Therapeuten der Reha-Klinik Prinzregent Luitpold um die Kinder. Die jungen Patienten leiden zum Teil an körperlichen Erkrankungen, die ihre Haut, Atemwege oder den Stoffwechsel betreffen, sowie an chronischen Kopfschmerzen und Migräne. Auch Kinder mit Verhaltensstörungen wie ADHS und psychischen Problemen werden hier therapiert. Sie sind oft hyperaktiv, unkonzentriert und impulsiv.

Geht es der Mutter schlecht, überträgt sich das häufig auch auf den Nachwuchs: „Kinder sind sensibel und können durch Verlustängste seelisch krank werden“, erklärt Dr. Hass. Die Kleinen sorgen sich um ihre Mutter, sind emotional aufgewühlt und frustriert. In der Kinderklinik Scheidegg lernen sie durch wirksame Entspannungsmethoden wie autogenes Training und Progressive Muskelentspannung, den Kummer zu bewältigen und mit der Situation umzugehen.

Ein Fahrdienst zwischen den Kliniken bringt Mutter und Kind nach den Reha-Sitzungen zusammen, um die wertvolle Zeit zu zweit bei gemeinsamen Aktivitäten zu genießen – von Ponyreiten über geführte Wanderungen bis hin zu Nordic Walking.

„Kind und Mutter tut es gut, bewusst zusammen zu sein und aus ihrem gewohnten Umfeld herauszukommen“, weiß Dr. Hass. In Scheidegg lassen sie ihre Zukunftsängste und Sorgen hinter sich.

Hier lesen Sie mehr über die Kombinations-Reha Mama hat Krebs: www.mama-hat-krebs.de