Gabriele Steven im Interview

Ist jedes Thermalwasser für jeden gleich gut geeignet?

Gabriele Steven: „Nein, denn jedes staatlich anerkannte Heilbad hat ein anderes Thermalwasser. Das hängt zum einen mit der Quelle und zum anderen mit den Gesteinsschichten zusammen, die das Wasser auf seinem Weg zur Erdoberfläche passiert. Deshalb ist die Zusammensetzung der Mineralien des Thermalwassers an jedem Kurort unterschiedlich. Jedes Thermalwasser hat eine andere Wirkung.“ 

 

Was ist das Besondere am Bad Birnbacher Heilwasser?

„Wir haben zwei Quellen: Die Chrysantiquelle, die aus einer Tiefe von 1618 Metern mit einer Temperatur von 70 Grad an die Erdoberfläche kommt. Und die Konradsquelle, die 1200 Meter tief ist und deren Wasser 60 Grad heiß ist. Aufgrund der hohen Wassertemperaturen gehören sie zu den heißesten Thermal-Mineralquellen Mitteleuropas.“

 

Welchen gesundheitlichen Nutzen hat dieses Thermalwasser?

„Aufgrund der Zusammensetzung unseres Thermalwassers – fluoridhaltiges Natrium-Hydrogen-Carbonat-Chlorid-Wasser – eignet es sich für Menschen mit deformierenden Gelenkerkrankungen wie Arthrose, für rheumatische Erkrankungen, bei Osteoporose, bei Bandscheibenvorfällen und nach Bandscheiben-Operationen und nach Gelenkersatz-Operationen. Kurz gesagt: Es ist das optimale Heilwasser für alle, die Probleme mit dem Bewegungsapparat haben. Unser erster Werbeslogan in den 1970er-Jahren lautete: Unser Heilwasser hilft gegen Rheumatismus und Pessimismus.“

 

Wirkt Thermalwasser auch auf die Psyche?

„Aber natürlich. Wir nennen unser Wasser auch „Arzneimittel-Heilwasser“, denn es löst nicht nur Muskelverspannungen und reduziert chronische körperliche Beschwerden, sondern hebt auch die Stimmung, da Stress und Ärger abgebaut werden. Das stelle ich nicht nur seit 35 Jahren bei meinen Patienten in der Rottal Terme fest, sondern auch Studien belegen die stressmindernden Eigenschaften von Thermalwasser.“

 

Welche Tipps haben Sie für Besucher der Rottal Terme?

„Nicht nur entspannen, sondern sich im Wasser unbedingt bewegen –  denn Thermalwasser wirkt in Kombination mit Bewegung noch besser. Dazu eignen sich alle Becken mit Wassertemperaturen unterhalb der Körpertemperatur, also unter 36 Grad. Durch den Auftrieb in den Heilwasserbecken fallen viele Bewegungen deutlich leichter als außerhalb des Wassers, die Gelenke sind entlastet und können daher gut mobilisiert werden. Wir bieten im Therapiebad auch Wassergymnastik und Aquafit-Programme unter Anleitung von ausgebildeten Therapeuten an, aber Schwimmen oder die bereits erlernten Übungen aus der Physiotherapie kann auch jeder selbst machen. Wer aus wärmeren Becken kommt, muss sich zum Abschluss unbedingt die Beine kalt abspülen oder ins kühle Kneippbecken gehen.“

 

Warum kalt nach heiß?

„Beim Baden im heißen Heilwasser werden die Blutgefäße weit gestellt, damit der Körper schwitzen kann. Verläßt man das Becken sind die Beine noch warm und das Blut kann in die Peripherie, also die Füße absacken. Um dies zu verhindern, braucht es kaltes Wasser, damit sich die Gefäße wieder zusammenziehen und die Wärme im Körper bleibt. Ansonsten friert man auch sehr schnell. Ganz wichtig ist auch, sich danach auszuruhen. Denn im Wasser waren die Gefäße und Organe hydrostatischem Druck ausgesetzt und müssen sich nun wieder erholen. Auch die Mineralien wirken nach.“

 

Welche Becken empfehlen Sie?

„Wir haben mehr als 30 Becken mit Wassertemperaturen von 24 bis 40 Grad – da findet jeder das passende. Sehr beliebt ist bei uns das Kaskadebecken mit 36 Grad, das sich im Außenbereich der Thermenwelt des Vitariums befindet. Bei diesem Becken fällt das Wasser von oben auf den Rücken und bietet somit einen angenehmen Massage-Effekt. Außergewöhnlich ist auch unser 105 Meter langer Thermenbach, ein Strömungskanal von 33 Grad Wassertemperatur mit Sprudelliegen und Musikpavillon, in dem man sich treiben lassen oder sportlich gegen den Strom gehen oder schwimmen kann. Ein Highlight ist auch die Salzwasserlagune, in der das 35 Grad warme Heilwasser mit zwölfprozentiger Sole angereichert ist. Hier kann man ähnlich wie im Toten Meer auf dem Wasser liegen und sanft schweben ohne unterzugehen – ohne Auftriebsmittel. Sole ist zusätzlich gelenkentlastend und gut für trockene Haut. Danach empfehle ich eine Nachtkerzenöl-Packung auf einer angenehm temperierten Softpackliege.“

 

Warum schreibt man die Rottal Terme eigentlich ohne „h“?

„Das war eine Art Werbegag bei der Eröffnung im Jahr 1976. Da wollten die Bad Birnbacher ihre Nähe zu Italien betonen – schließlich sind sie im äußersten Südosten Bayerns. Und im Italienischen schreibt man Terme so. Und es waren die alten Römer, die schon vor 2000 Jahren die Kraft des Thermalwassers in Thermen nutzten.“ 

Probleme mit dem Bewegungsapparat lassen sich im Heilwasser der Rottal Terme in Bad Birnbach auf angenehme Art und Weise lindern – und zugleich werden Stress und Ärger abgebaut.

 

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