Bei Schmerzen und Krankheiten greifen die meisten Menschen reflexartig zu Tabletten. Aber das muss nicht immer sein. Denn bei vielen Beschwerden helfen auch Kräuter aus der Natur – ganz ohne Chemie. Die folgenden fünf Küchenkräuter hat jeder schon gegessen. Doch nicht alle kennen ihre Wirkung als Heilmittel.

Vor allem schätzen wir sie in der Küche: Petersilie, Koriander, Rosmarin, Thymian und Salbei würzen viele Gerichte mit ihrem typischen Geschmack, veredeln sie mit Duft und Aromen. Frisch aus dem Garten werden sie wegen ihres ansprechenden Äußeren gern auch als Deko für Gerichte und Teller verwendet. Doch diese traditionellen Küchengewürze haben uns weit mehr als Geschmack und Aussehen zu bieten. Sie zeichnen sich auch durch vielfältige, heilende Wirkungskräfte aus – innerlich angewendet ebenso wie äußerlich.

 

Wohlschmeckende Naturapotheke

Seit der Öko-Bewegung und dem Trend der Rückbesinnung auf alte Traditionen erleben Naturheilkunde und Volksmedizin einen neuen Frühling. Denn die Natur hält für unsere Gesundheit viele wertvolle Mittel bereit. Wenn wir die Kraft der Pflanzen zielgerichtet nutzen, können sie eine wirksame Medizin für vielerlei Beschwerden sein. Die Gesundheitsexperten in den bayerischen Heilbädern und Kurorten sind auf Naturheilkunde und Phytotherapie spezialisiert. Auch in der Küche werden viele heimische Heilpflanzen und Wildkräuter für eine gesunde und basenreiche Ernährung eingesetzt. 

 

Petersilie: für gesunde Verdauung, Harnwege und bei Insektenstichen

Das bekannteste Kraut der deutschen Küche und das wohl am meisten unterschätzte Heilkraut ist die Petersilie. Sie enthält wertvolle Nährstoffe, Mineralien und Spurenelemente wie Vitamin A, B, E und besonders viel C, sowie Folsäure, Kalzium, Magnesium und Eisen. Eine wahre Vitalstoff-Bombe. Als Heilpflanze kann Petersilie aber noch viel mehr: In ihrem ätherischen Öl ist der Wirkstoff Apiol enthalten, der die Verdauung anregt und Sodbrennen lindert. Eine zusätzlich entwässernde Wirkung sorgt dafür, dass die Harnwege durchgespült werden, so dass Giftstoffe und Bakterien ausgeleitet werden. Die normale Gewürzdosis reicht dafür allerdings nicht aus; sie wirkt „nur“ mild blutreinigend. Um von der vollen Heilkraft zu profitieren, muss Petersilie als Saft, Tee oder Tinktur verwendet werden. Frisch zerkaut vertreibt das Kraut übrigens auch Mundgeruch. Und auf einen Mückenstich gerieben, lindert es sofort den Juckreiz. Äußerlich wird Petersilie auch gegen Kopfschuppen sowie bei Gicht und eingesetzt. 

 

Koriander: hilft bei Magenschmerzen, Darmproblemen und Entzündungen

Am Koriander scheiden sich die Geister. Seines penetranten Geschmacks wegen liebt man ihn – oder man hasst ihn. Unbestritten sind dagegen die heilenden Eigenschaften von Koriander, die seit vielen Jahrtausenden bekannt sind. So kam die Heilpflanze nachweislich bei den alten Ägyptern, Griechen und Römern zum Einsatz bei Wunden und Verbrennungen, gegen Läuse und Flöhe sowie als Bestandteil diverser Liebestränke. Im Mittelalter hatte Koriander seinen festen Platz in Klostergärten und Kräuterbüchern. Auch in der Traditionellen Chinesischen Medizin und in der Ayurveda-Lehre nimmt er wichtige Funktionen wahr. Als Küchenkraut ist er, ähnlich wie hierzulande die Petersilie, vor allem aus der asiatischen Küche nicht wegzudenken. Botanisch ist Koriander mit Kümmel, Fenchel und Anis verwandt, was auch seine beruhigende Wirkung auf die Verdauung erklärt. Seine sowohl in frischen Blättern als auch in getrockneten Samen enthaltenen Stoffe wirken außerdem antientzündlich, antibakteriell, antioxidativ und appetitanregend. Als Entzündungshemmer lässt sich Koriander als Tee oder Tinktur im Mund-Rachen-Raum, für die Harnwege sowie bei Magenschmerzen einsetzen und äußerlich bei Rötungen und Hautirritationen.

Hier sehen Sie einen Strauch Thymian und eine Tasse mit Thymiantee.
Hier sehen Sie ein Bund Rosmarin.

Rosmarin: stärkt Herz, Kreislauf und Blutdruck

So intensiv das Würzaroma von Rosmarin beim Kochen ist, so groß ist auch sein medizinisches Einsatzspektrum: Hier verbindet sich die ganze Naturheilapotheke in einer einzigen Pflanze. Schon in der Antike wurde das aromatische Heilkraut bei Antriebslosigkeit, geistiger Erschöpfung und als Antiseptikum eingesetzt. Für die „Heilpflanze des Jahres 2011“ sind mittlerweile etliche Heilwirkungen wissenschaftlich nachgewiesen. So hat Rosmarin positiven Einfluss auf Kreislaufbeschwerden, das Herz wird stärker durchblutet und die Herzleistung gestärkt. Die anregende Wirkung von Rosmarinsaft hilft bei der Behandlung von niedrigem Blutdruck. Aber auch morgendliche Armbäder mit ätherischem Rosmarinöl können hier helfen. Die Bitterstoffe der nadelartigen Blätter regulieren auf milde Art die Verdauung, lindern Kopfschmerzen und Frauenbeschwerden. Äußerlich kann Rosmarin auch als antiseptisches, antibakterielles und antimykotisches Mittel für die Wundbehandlung, bei Akne, Ekzemen sowie Fußpilz verwendet werden. 

 

Thymian: Allheilmittel bei Erkältungen

Die Universalgelehrte und Kräuterexpertin Hildegard von Bingen empfahl Thymian schon im 12. Jahrhundert als wertvolle Heilpflanze. Traditionell wird das intensiv duftende Heil- und Gewürzkraut bei Erkältungen mit Husten, Schnupfen, Heiserkeit und Halsschmerzen eingesetzt, und zwar sowohl als Tee als auch als Inhalation. Die heilsamen Wirkungen der kleinen Thymianblätter beruhen auf seinem Reichtum an ätherischen Ölen, die Bakterien bekämpfen, Schleim lösen, Bronchien entkrampfen und Entzündungen beruhigen. Sein antibakterielles, antivirales, antimykotisches, schmerzlinderndes und wundheilendes Wirkspektrum machen Thymian so besonders: Die Heilpflanze greift gleich an mehreren Erkältungssymptomen an. Neben den Atemwegen profitieren auch Verdauungsorgane, Leber und Immunsystem von der positiven Wirkung der Gerbstoffe. Da Thymian auch östrogenähnliche Substanzen enthält, gilt er als hilfreiche und beruhigende Pflanze in den Wechseljahren. Äußerlich wird er bei rheumatischen Gelenkschmerzen, Hautproblemen, frischen Wunden und Schnittverletzungen eingesetzt.

 

Salbei: vielfach wirksam bei Hals- und Zahnfleischproblemen und starker Schweißbildung 

Auch Salbei kann viel mehr als nur Speisen würzen, wie schon sein Name verrät. Abgeleitet vom lateinischen Verb „salvare“, bedeutet er so viel wie retten und erlösen. Mit seiner Kombination aus ätherischen Ölen wirkt Salbei entzündungshemmend, desinfizierend und lindernd bei Heiserkeit, Halsentzündungen, Hustenreiz und Erkältungssymptomen – und zwar gleichermaßen als Tee, Inhalation, Gurgellösung und in Bonbonform. Salbeitee hemmt die übermäßige Schweißbildung, weshalb die Heilpflanze auch in vielen Deos enthalten ist. Positiv wirkt sich Salbeitee auch auf die Verdauung, den Stoffwechsel und bei Frauenbeschwerden aus. Äußerlich aufgetragen mildert der Saft frisch zerriebener Blätter den Juckreiz bei Insektenstichen und lässt Entzündungen im Mundraum schneller heilen. Gekaute Salbeiblätter helfen auch gegen Zahnfleischentzündungen und Mundgeruch. Und wenn keine Zahnpasta verfügbar ist, bekommt man die Zähne auch durch Salbeikauen schnell wieder sauber.

 

Starke Kombination: Heilkräuter und Heilbäder

Die Gesundheitsexperten in den bayerischen Heilbädern und Kurorten wenden für jeden Gast individuell abgestimmt die passenden Heilkräuter als Tee oder Saft, Inhalation, Öl, Badezusatz, Salbe oder Tinktur an. Ihre feinen Aromen werden auch von den Kräuterspezialisten in der Küche beim Kochen und Backen verwendet, um dem Körper auf natürliche Art möglichst viel Gutes zu tun und die Abwehrkräfte zu aktivieren. Und bei Kräuterwanderungen und in Kochkursen lernen Urlauber, wie sie auch im Alltag zu Hause von der Kraft der Natur profitieren können.

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