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Keine Macht der Gewohnheit! In Bad Kötzting weiß man, wie man seinen Lebensstil ändert

Dieser Selbstbetrug läuft täglich bei Millionen von Menschen im Inneren ab: „Training? Lasse ich heute ausnahmsweise ausfallen.“ Oder: „Frisch Kochen? Heute gibt es ausnahmsweise Tiefkühlpizza.“ Schnell werden aus diesen Ausnahmen ungesunde Gewohnheiten – die man nur schwer wieder loswird. Professor Dr. Erich Wühr aus Bad Kötzting weiß, wie das gelingt. Er ist einer der Verantwortlichen hinter dem IGM-Lebensstilprogramm SINOCUR.

Lernen, wie man gesund lebt

„Das IGM-Lebensstilprogramm SINOCUR ist ein Schulungsprogramm, in dem wir Menschen einen gesundheitsfördernden und präventiven Lebensstil beibringen“, sagt Wühr. „Unser Ziel ist, dass wir nicht mehr gebraucht werden, weil die Menschen nach dem Programm eigenverantwortlich gesund leben.“ Wer sich schon mal an Silvester vorgenommen hat, endlich gesünder zu leben, um drei Wochen später wieder aufzugeben, dem kommen Zweifel. Doch Wühr antwortet auf die Frage, ob das denn wirklich funktioniere, selbstbewusst: „Wir wissen, dass es funktioniert. Wir haben das in zwei Studien wissenschaftlich nachgewiesen.“

Damit die Teilnehmer ihr Leben ändern, betreiben Wühr und seine Kollegen auch einiges an Aufwand: Das Programm dauert insgesamt ein Jahr und teilt sich in drei Phasen. In der ersten Phase, der dreitägigen Screening-Phase, wird der Gesundheitszustand der Teilnehmer untersucht. Schritte zählen, Bauchumfang und Blutdruck messen: Die Teilnehmer lernen auch, sich selbst zu beobachten.

Kneippen, gesund essen und chinesische Gesundheitslehre

Phase zwei ist das dreimonatige Basis-Training: Teilnehmer aus der Region treffen sich einmal wöchentlich, Teilnehmer von weiter weg im Blockunterricht. Hier lernen sie Methoden zur Gesundheitsförderung und bekommen 12 aufeinanderfolgende Wochentrainingspläne erstellt. In der Lehrküche und bei Einkauftrainings lernen sie, wie man sich gesund ernährt. Im Kneipp-Schulungszentrum, wie sie richtig entspannen und wie sie die Wasseranwendungen nutzen, um ihre Abwehrkräfte zu steigern.

Eine wichtige Säule des Programms ist die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), die zu den Spezialisierungen in Bad Kötzting gehört: Meditation, Ernährungslehre, Therapieformen gehören dazu und das chinesische Qigong. „Qigong ist nach meiner Meinung eine der umfassendsten Gesundheitssportarten, die es überhaupt gibt“, sagt Wühr. „Qigong trainiert Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination. Und es trainiert das Gedächtnis und die Konzentration und der heilgymnastische Bereich ist eine perfekte Rückenschule.“

Internationales Flair im Bayerwald

Durch TCM gehört China zum Stadtbild von Bad Kötzting: Das Leben spielt sich im Zentrum auf der Marktstraße ab, die Gasthöfe sind hier meistens bayerische, bodenständige Familienbetriebe. Eine kleine Brauerei, der Lindnerbräu, lockt mit einem herrlichen Biergarten und der Bayerwald bietet viel Raum für Wander- oder Radtouren. Die „kleine Chinesische Mauer“ im Kurpark und die Erste Deutsche Klinik für TCM, die von der Volksrepublik China anerkannt ist, verleihen der 7.000-Einwohner-Gemeinde im Talkessel des Weißen Regen ein internationales Flair, das man hier so nicht vermuten würde.

Von dem besonderen Flair profitieren auch die Programmteilnehmer, die in der dritten Phase, der neunmonatigen Erhaltungsphase, jeweils am Ende eines Quartals in die Stadt kommen. Damit sie dazwischen nicht aufgeben, werden sie von den IGM-GesundheitsCoaches aus der Ferne betreut. Sie geben fortlaufend ihre Gesundheitsdaten über das Online-Gesundheitsportal ein. Einmal die Woche werten das die Coaches aus und geben Rückmeldung über Mail oder am Telefon. „Bei Bedarf gibt es auch die Möglichkeit eines persönlichen Einzelcoachings“, fügt Wühr hinzu.

Die IGM-GesundheitsCoaches werden von der Technischen Hochschule Deggendorf ausgebildet und betreuen die gesunden Teilnehmer. Diese haben zu Beispiel leichtes Übergewicht oder es besteht ein Risiko, an Diabetes, Bluthochdruck oder Burnout zu erkranken. Wenn im Screening herauskommt, dass ein Teilnehmer bereits akut erkrankt ist, wird einer der kooperierenden Ärzte aus Bad Kötzting eingeschaltet: „Der führt den Teilnehmer durch das Programm und alle Maßnahmen werden mit ihm abgesprochen“, erklärt Wühr.

Das Programm kostet für das ganze Jahr 1.800 Euro – bei zehn Präsenztagen und fortlaufender Betreuung ist das nicht viel. Die AOK Bayern führt außerdem gerade ein Modelvorhaben durch und bezahlt das Programm für 400 Mitglieder in den nächsten drei Jahren.