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Achtsamkeit: Mit der Rosine ins Hier und Jetzt

Anne Hartmann fährt gern mit dem Fahrrad zur Arbeit. Ihr Weg in die Malteserklinik von Weckbecker in Bad Brückenau, wo die Diplom-Theologin als Klinik-Seelsorgerin arbeitet, führt durch den idyllischen Stadtpark von Bad Brückenau. Und wann immer Hartmann ein bisschen Zeit hat, legt sie dort auf einer Parkbank im Grünen eine kleine Pause ein. „Ich setze mich fünf Minuten hin und genieße ganz bewusst diese Freizeit“, sagt die junge Frau.

Es ist eine Form der Achtsamkeit. Und Achtsamkeit – auch als Mindfulness bekannt – ist ein guter Weg, psychisch unbelastet durchs Leben zu gehen, findet Anne Hartmann. Es handelt sich um einen Zustand klaren, wachen Bewusstseins, eine vorurteilsfreie Wahrnehmung des gegenwärtigen Moments. Ein Zustand, ein Ziel, ein Wert und ein Megatrend, der jedoch sehr viel älter ist, als es den Anschein hat: Seine Wurzeln liegen im Buddhismus. Anne Hartmann arbeitet in ihrer beruflichen Praxis mit MBSR, „Mindfulness Based Stress Reduction“ (Stressbewältigung durch die Praxis der Achtsamkeit) des Amerikaners Jon Kabat-Zinn, der als Begründer der modernen Achtsamkeitslehre gilt. Seine Definition von Achtsamkeit hat auch Hartmann sich zu eigen gemacht. „Achtsamkeit heißt, in jedem Moment präsent zu sein, ohne zu bewerten. Es bedeutet, dass wir die Momente wahrnehmen, wie sie sind, ohne gleich eine Meinung zu dem zu haben, was wir fühlen, sehen und erleben. Das heißt, dass wir erst einmal in uns hineinspüren sollten. Gucken, was das eigentlich ist. Spüre ich Zufriedenheit oder Enttäuschung, Angst oder Zuversicht, Leere oder Erfüllung? Was genau fühle ich, spüre ich es vielleicht sogar körperlich?“

Es geht also nicht darum, Ängste oder Gemütszustände zu bekämpfen. Es geht darum, sie erst einmal ganz vorurteilsfrei aufzuspüren und wahrzunehmen. Dabei helfen spezielle Achtsamkeitsübungen, die jeder ganz einfach für sich zuhause machen kann. Ein Klassiker, den Anne Hartmann empfiehlt, ist die „Rosinen-Übung“.

 

3 Achtsamkeitsübungen für Zuhause

Rosinen-Übung

Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um eine Rosine mit allen Sinnen wahrzunehmen. Betrachten Sie sie, „lauschen“ Sie ihr, streichen Sie über Ihre Oberfläche, riechen Sie daran und zum Schluss schmecken und kauen Sie sie. Konzentrieren Sie sich ganz auf Ihre Wahrnehmungen, lassen Sie sich Zeit dafür. Sie können die Übung natürlich auch mit jedem anderen Objekt machen – am besten eignen sich solche aus der Natur.

Stille-Übung

Setzen Sie sich in eine bequeme Position, schließen Sie die Augen oder richten Sie den Blick auf den Boden. Lassen Sie Ihre Gedanken laufen, als wären sie eine Pferdeherde. Jeder Gedanke ein Pferd. Doch statt sich wie sonst auf jeden Gedanken zu schwingen und mit ihm weiterzureiten, lassen Sie die „Pferde“ eines nach dem anderen an ihnen vorüberziehen, ohne „aufzusteigen“. Nehmen Sie sie wahr, aber klammern Sie sich nicht daran. Das schafft Abstand.

Routine-Übung

Bei dieser Übung richten wir den Blick auf die vielen Routine-Handlungen, die unseren Alltag prägen und die uns meistens gar nicht bewusst sind. Versuchen Sie eine Woche lang, eine bestimmte Routinehandlung (z.B. das Schuhbinden, das Abschließen der Haustür, den Gang zum Zeitungskasten) ganz achtsam durchzuführen. Achten Sie mit sämtlichen Sinnen auf jedes Detail. Experimentieren Sie mit neuen Versionen, zum Beispiel mit neuen Gangarten. Diese Übung holt uns aus der Erstarrung heraus, bündelt Gedanken, bringt eine neue Qualität ins Leben.

 

Die Gedanken auf Distanz halten

Achtsamkeitsübungen helfen, auf Distanz zu gehen zu bestimmten Gedanken, Ängsten und Befürchtungen, sagt Anne Hartmann. Und zu erkennen, was uns wirklich guttut. Denn sie öffnen das Eingangstor zu uns selbst. Sie tragen auch dazu bei, dass wir wieder Neugier entwickeln und uns aus der Erstarrung befreien. Die Gedanken vom aktuellen Problemen abwenden zu können, ist oft schon hilfreich und bringt eine neue Qualität in unseren Alltag.

In der Malteserklinik von Weckbecker in Bad Brückenau führt Anne Hartmann Gäste auf zwei Wegen zu mehr Achtsamkeit. Beim 90-minütigen Seminar „Eine Prise Achtsamkeit“ machen die Teilnehmer gemeinsam eine Übung und sprechen anschließend über ihre Erfahrungen – ein erstes Fenster in die wohltuende Welt der Achtsamkeit. Der Kurs „Achtsamkeitstage an der Sinn“ beinhaltet dagegen vier Einheiten und verteilt sich über vier Tage. Er lässt sich gut mit einem Urlaubs- und Kuraufenthalt in Bad Brückenau verbinden, das mit seinen mineralstoffreichen Heilquellen, dem milden Reizklima der Rhön und der schönen Bäderarchitektur aus der Zeit Ludwig I. Körper, Geist und Seele guttut.

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