Kneipp (er)leben in Füssen. Die bayerische Kurstadt hat das Kneippen zwar nicht erfunden, aber modern in unsere heutige Lebenswelt transportiert. Letztlich geht es nicht nur um Wasserbehandlungen. Im Fokus stehen gesunde Ernährung, erholsamer Schlaf, Bewegung und Erholung.

Wie ein Schlafgastgeber sieht Michael Duijndam wahrlich nicht aus. Der Hotelier tigert schon morgens durch sein „Dreimäderlhaus“ in Weißensee bei Füssen, gibt den Gästen Tipps, welche Radtour sie heute machen können, welcher Ausflug sich lohnt, welches Kissen man in der kommenden Nacht ausprobieren sollte. Spätestens da ist klar: Ein Schlafgastgeber ist kein verschlafener Gastgeber. Vielmehr ist er darum bemüht, dass der Urlauber tagsüber aktiv und ausgelastet ist, Erholung und Entspannung findet. So ist er abends nicht matt, sondern müde und geht erfüllt und zufrieden ins Bett, um erholsam durchzuschlummern. Hotelier Duijndam hilft dann beispielsweise auch noch mit Meditationsmusik und Einschlaf-Tee im Zimmer nach. Zudem gibt es beispielsweise auch ein Kissenmenü und sogar ein Beratungsgespräch zum Thema guter Schlaf.

Bayerischer Kurort als modernes Kneipp-Zentrum

Die Schlafgastgeber im bayerischen Füssen sind Teil eines großen Puzzles für erholungs- und ruhesuchende Urlauber. Wer es richtig zusammensetzt, baut Stress ab, entdeckt frische Kraftquellen und erlebt neue Lebensfreude. Das Angebot dreht sich um Wassertherapie, Bewegung, innere Balance, gesunde Ernährung und Heilpflanzen und läuft unter dem Titel „Lebensspur Lech“.  So wie sich besagter Fluss erstreckt, verteilen sich auch die Bausteine von Tirol bis nach Füssen. Und wie der Lech seinen großen Auftritt in der Grenzstadt hat, so ist dort auch das Zentrum der „Lebensspur“. Rund um das Thema Schlaf gibt es in Füssen sogar eine Kur, die zum Jubiläumsjahr 2021 anlässlich des 200. Geburtstages von Sebastian Kneipp buchbar sein soll. Sie wird sich intensiv mit psychologischen Aspekten, der inneren Balance des Menschen und Wasseranwendungen befassen.

Gut schlafen kann man in Füssen lernen.
© Verein Lechweg_Gerhard Eisenschink - Gut schlafen kann man in Füssen lernen.

Alte Ansätze, gefragter denn je: Schwimm-Insel und Rad-Runde nach Kneipp

Hinter den Ansätzen stecken die Grundprinzipien von Pfarrer Sebastian Kneipp, die man in Füssen neu verpackt und modern gestaltet hat. Sehen und erleben kann man das an den kostenlosen Kneipp-Erlebnisarealen, die sich in allen Ortsteilen finden und sich sogar mit einer 26 Kilometer langen Radrunde verbinden lassen. Höhepunkt ist die schwimmende Kneipp-Insel im Hopfensee, an dessen Ufer die Urlauber auch auf bunten „Gedankenbänken“ sitzen und durch die Kräuterspirale wandeln.

Die Kneipp-Bereiche, wie etwa in Bad Faulenbach oder am Weißensee, wurden aus der verstaubten Ecke geholt. Trinkbrunnen, Tret- und Armbecken muten hochwertig und elegant an. Zudem gibt es Ruheplätze oder Spielstellen am Wasser für Kinder. Kneipp ist plötzlich (wieder) cool. Aber nicht überall steht Kneipp drauf, obwohl Kneipp drin ist. Nicht alle wissen, dass sich der Pfarrer auch intensiv mit Ernährung, Heilpflanzen und Bewegung beschäftigt hat. Seine Ansätze sind alles andere als veraltet. Sie wirken in Zeiten der ständigen Erreichbarkeit, des stetigen Rauschens in sozialen Medien, der nicht enden wollenden Aufmerksamkeitsspanne, die vermeintlich keine Ruhepause mehr zulässt, moderner denn je.

Kneippen auf dem See
© Verein Lechweg_Gerhard Eisenschink - Kneippen auf dem See

Kneipp’sche Pfade im Lechtal

Wenn es für „Lebensspur Lech“-Gäste eine Region zum Abschalten gibt, dann ist es das Lechtal bei Füssen. Dort trifft man auf Bergführer wie Hubertus Lindner, der Gäste mit zu Husky-Wanderungen in die Berge nimmt. Auch Kneipp-Gesundheitstrainerin Daniela Pfefferkorn ist in der Natur mit Gästen unterwegs. Gemeinsam pflückt man, was am Wegesrand wächst, um daraus später zum Beispiel Entspannungstees zu brauen. Auf Kneipp’schen Pfaden wandelt auch, wer auf dem Panoramaweg in Holzgau wandert, der die wichtigsten Säulen der Gesundheitslehre noch einmal vor Augen führt. Als Abschluss bietet sich vielleicht ein regionales Menü im Gasthof Adler in Hinterhornbach an.

Grenzüberschreitend: Lebensspur Lech vereint Bayern und Tirol im Thema Kneipp.
© Verein Lechweg_Gerhard Eisenschink - Grenzüberschreitend: Lebensspur Lech vereint Bayern und Tirol im Thema Kneipp.

Kneippen verändert – zum Positiven

Das ist auch eine gute Gelegenheit fürs Urlaubs-Fazit: Die Schlafgastgeber und ihre Ideen und Hilfen wirken tatsächlich. Die Nächte in Füssen haben sich angefühlt, wie zuhause im eigenen Bett. Das ist definitiv das höchste Level, das sich erreichen lässt. Denn die meisten Menschen schlafen an fremden Orten deutlich schlechter – das ist sogar wissenschaftlich nachgewiesen. Wassergüsse und Kneipp-Anwendungen sind auch für einen Neuling schnell zu lernen und wirken erstaunlich gut bei müden Beinen und Muskeln. Andere Effekte dürften sich erst bei längerer Anwendung einstellen.

An dieser Stelle aber auch ein Wort an alle, die befürchten, die „Lebensspur Lech“ verlange körperliche Höchstleistungen. Es ist keine Wandertour wie der Lechweg, bei dem man jeden Tag viele Kilometer zu Fuß macht. Vielmehr pickt sich jeder das raus, was ihm Spaß und Freude bereitet. Das kann eine Wanderung wie im Lechtal sein, aber jeder kann sich so fortbewegen, wie er will. Auf jeden Fall regt ein „Lebensspur“-Urlaub dazu an, über sich, sein Verhalten, seine Gesundheit, seinen Alltag nachzudenken und gewisse Dinge zum Positiven hin zu verändern.

Durch das Kneippen kommt man sich selbst wieder näher.
© Verein Lechweg_Gerhard Eisenschink - Durch das Kneippen kommt man sich selbst wieder näher.
Christian Schreiber

Christian Schreiber ist Kneipp sogar „familiär“ verbunden. Schließlich stammt der Vater unseres Autors aus Ottobeuren, der Heimat des Wasserpfarrers. Das war es aber auch schon mit Gemeinsamkeiten. Christian Schreiber wuchs in Memmingen auf, studierte in Augsburg, machte eine Ausbildung zum Zeitungsredakteur und arbeitete bei verschiedenen Tageszeitungen, ehe er sich 2008 selbstständig machte.

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