Die Heilwirkung von Fichte und Co

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„Der Wald ist eine Oase, ein Therapieraum für uns. Schon die saubere, sauerstoffreiche Luft tut den Lungen gut. Dazu wirkt die grüne Farbe nachweislich entspannend auf unser Gemüt“, sagt Nathalie Elitzer aus dem Fichtelgebirge, Leiterin der Kur- und Tourist-Information im fränkischen Weißenstadt und GESUNDES BAYERN-Expertin. Als Wald-Gesundheitstrainerin weiß sie, warum der Wald eine ganz besondere Kraft hat, wie er den körpereigenen Ruhe- und Entspannungsmodus aktiviert, was der herrliche Duft von Nadelbäumen damit zu tun hat – und warum es sich nicht nur wegen Tanne, Fichte und Co lohnt, hier Urlaub zu machen.

Einmal lehnte Nathalie Elitzer längere Zeit an einen Baumstamm. Sie saß einfach da und bewegte sich nicht – als plötzlich zwei spielende Fuchsbabys in ihr Blickfeld kamen. „Für die Füchse war ich einfach Teil des Waldes“, erzählt sie, noch heute erstaunt und begeistert von diesem bisher schönsten Erlebnis, das sie im Wald hatte. Aber es muss gar nicht unbedingt eine solche Rarität sein, damit Nathalie Elitzer ins Schwärmen gerät: „Mich überrascht einfach auch immer wieder, wie unterschiedlich sich zum Beispiel Moos anfühlen kann. Und wie wunderbar weich es ist, wenn man darüber streicht!“

Es sind genau solche Momente des Hinschauens, Erkennens und Wahrnehmens, die das Eintauchen in den Wald so einzigartig machen – und so gesund: Hier atmen wir gesundheitsfördernde und saubere Luft und haben kaum UV-Strahlung. Wir bewegen uns in ausgeglichenen Temperaturen mit angenehmer Luftfeuchte und sanftem Licht. Dazu kommt die besondere Wohlfühlatmosphäre – ohne laute Geräusche und störende visuelle Reize. „Solche Natur- und Walderfahrungen sind aus Urzeiten noch in uns verankert“, erklärt Nathalie Elitzer. Deshalb hätten viele Menschen das Bedürfnis, mit dem Ursprünglichen und dem Natürlichen in Kontakt zu kommen: Wir suchen in der Natur einen Raum zum Innehalten, zum Auftanken, um Abstand vom Alltag zu bekommen. „Im Wald finden wir all das – und entsprechend positive Auswirkungen hat das auf uns.“

Alles im grünen Bereich: Der Wald wirkt

Inzwischen ist auch wissenschaftlich erwiesen, dass Waldbaden – also der bewusste Aufenthalt im Wald – das parasympathische Nervensystem aktiviert, also unseren körpereigenen Ruhe- und Entspannungsmodus. Dadurch reduziert sich das Level an den Stresshormonen Adrenalin und Cortisol. „Gerade in unserer Zeit ist das total wertvoll, viele Menschen leiden ja unter chronischem Stress und können nur noch schwer abschalten“, sagt die Expertin. „Aber im Wald funktioniert das fast auf Anhieb.“

Zusätzlich hat der bewusste Aufenthalt im Wald noch viele andere positive Auswirkungen auf die Gesundheit: Er kann den Blutdruck, das Herz-Kreislauf-System und den Stoffwechsel regulieren. Er stärkt das Immunsystem, weil der Körper dann mehr weiße Blutkörperchen produziert. „Das sind die natürlichen Killerzellen, die unerwünschte Zellen angreifen und unschädlich machen können“, erklärt Nathalie Elitzer. Man schlafe außerdem ruhiger, dazu verbessere sich die Konzentration und das Gedächtnis: Studien zeigen, dass durch Wald-Gesundheitstraining die Fähigkeit der Problemlösung um bis zu 50 Prozent gesteigert werden kann. „Sogar Burnout-Symptome und Erschöpfungszustände kann der Wald lindern.“ Je öfter man übrigens in diesen Zustand der Entspannung und Achtsamkeit kommt, desto nachhaltiger stärkt er Körper und Psyche.

Wunder Wald: Wer ihm lauscht, wird glücklicher

Wer die ganze Kraft aus dem Wald ziehen möchte, sollte außerdem lernen, wie man ihn in aller Ruhe und ganz bewusst mit allen Sinnen erfassen kann. Möglich ist das etwa an jedem ersten Freitag im Monat in Weißenstadt, wenn Nathalie Elitzer mit ihren Gästen zum Wald-Gesundheitstraining aufbricht. Sie zeigt dann, welche Entspannungsübungen sich am besten eigenen und wie man sie mit Bewegung und Achtsamkeit verbindet. Dabei regt die Trainerin unter anderem an, zehn Minuten lang mit geschlossenen Augen auf jedes einzelne Geräusch zu lauschen. Sich ein Fundstück zu suchen – eine Eichel, einen Farn, einen Tannenzapfen – und es in aller Ruhe zwischen den Fingern zu drehen, um den Gegenstand buchstäblich zu begreifen. Die Aufmerksamkeit auf den erdig duftenden Waldboden zu richten. Oder auf einem Baumstamm zu balancieren.

Erstaunlich ist, wie einfach diese natürliche Heilmethode funktioniert. Denn im Prinzip tut schon jeder Waldspaziergang Körper und Geist gut: „Immer, wenn wir uns mit der Natur verbinden, fühlen wir uns vitaler und zufriedener“, erklärt die Expertin. Um aber eine signifikante Verbesserung zu bemerken, vor allem um Stress zu reduzieren, braucht es etwas mehr Zeit: Mindestens zwei Stunden sollten es sein, rät Nathalie Elitzer, und das für eine Zeit lang am besten zwei bis drei Mal pro Woche.

Mit Moos, aber nix los: Ganz weit weg vom Alltag

Die Kraft des Waldes nutzt sie natürlich auch für sich selbst: Sie stellt sich dann am liebsten zwischen kräftige Stämme hoher Nadelbäumen. Läuft barfuß auf einem weichen Moosteppich. Lauscht dem leisen Knacken, Rauschen und Raunen im Wald. Oder legt eine Yoga-Übung ein, bei der sie ihre Arme wie ein Baum seine Äste zum Himmel streckt und sie nach einer Zwischenbewegung mit dem Ausatmen auf den Boden bringt. „Dann bin ich ganz weit weg vom Alltag und kann ich mich wieder auf die Dinge fokussieren, die ich wirklich wichtig finde.“

Auch wenn ihr enger Bezug zum Wald erst während der Ausbildung zustande gekommen ist, passte der Weg dorthin zu ihr wie die Nadel zur Fichte: „Ich interessiere mich schon lange für natürliche Heilverfahren, bin seit 2019 Wildkräuterführerin und schreibe auf fichtelkraeuter.de auch darüber“, erzählt sie. Dass die gebürtige Bayreutherin nach Stationen in Berlin und Rom in Weißenstadt gelandet ist, ist ihrem Job in der Kur- und Tourist-Information zu verdanken – und ein Glück für die naturverbundene Frau: „Weißenstadt ist ein kleines Schmuckstück mit sauberer Luft, viel Natur und viel Ruhe. Rundherum gibt die höchsten Berge des Fichtelgebirges, außerdem einen See mit vielen Wassersportmöglichkeiten, eine moderne Therme viele romantische Ecken in historischen Straßenzeilen und Einheimische, die aufgeschlossen für neue Entwicklungen sind. Das alles macht Weißenstadt für mich wirklich lebens- und liebenswert.“

Expertin Nathalie Elitzer
Wald-Gesundheitstrainerin
Wunsiedler Straße 4
95163 Weißenstadt

Nathalie Elitzers...

Lieblingsplätze in der Natur rund um Weißenstadt
Lieblingsplätze in der Natur rund um Weißenstadt

Als Wald-Gesundheitstrainerin habe ich natürlich einen Lieblingsbaum: Eine Buche mit zwei gigantischen Stämmen, die ihre langen Äste wie ein riesiges Dach ausbreitet. Sie wächst am Waldrand Richtung Ruppertsgrün, einem Ortsteil von Weißenstadt. In der Nähe steht auch eine Ruheliege aus Holz mit herrlicher Aussicht auf den Schneeberg und die Stadt. Einen anderen schönen Blick, den ich sehr mag, hat man von einem kleinen Hügel im Norden von Weißenstadt aus, er wird Raibashüttla genannt. Außerdem liebe ich unsere „Orte der Stille“: Sie liegen etwas versteckt, sind aber unauffällig ausgeschildert und eine Möglichkeit, natürlichen und authentischen Geräuschen zu lauschen – dem Rauschen des Windes, dem Singen der Vögel, dem Plätschern von Wasser. Eine tolle Art, sich eine Auszeit zu nehmen.

Tipp für gesunde Küche
Tipp für gesunde Küche

Ich gehe gerne in den Concept Store von Pema und Leupoldt, einem Familienbetrieb für hochwertig-regionale Vollkornbrote und Lebkuchen. Besonders gerne mag ich als Vegetarierin, die teils auch vegan lebt, die vegetarische Pizza aus Vollkornbrot und den guten Kaffee mit veganer Milch.

Ideen für Kultur und mehr
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Das "Kleine Museum" ist ein echtes Highlight für konkrete, kinetische und interaktive Kunst sowie für Lichtinstallationen und Op-Art. Die wechselnden Ausstellungen zeigen Arbeiten von deutschen und internationalen Künstlern, die man sonst nur in den großen Museen der Welt zu Gesicht bekommt. Auch die moderne Fassade ist ein Hingucker, gestaltet vom italienischen Künstler, Designer und Architekten Marcello Morandini.

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