Bewegung ist gesund, klare Sache. Aber wie schaffe ich es, mich nach einer längeren Sport-Abstinenz wieder zu motivieren? Das "Fit4Life"-Programm in Bischofsgrün unterstützt seine Gäste dabei. Mit einem Outdoor-Trainingsprogramm, das genau auf das persönliche Fitnesslevel zugeschnitten wird - von Sportarzt Stefan Pecher, der auch Olympiateilnehmer berät. Klingt ein wenig furchteinflößend? Absolut. Aber auch effektiv. Ich habe es ausprobiert ...

Ein Feigling beim Fitness-Test

Es ist so weit, meine Stunde der Wahrheit ist gekommen: Dr. Stefan Pecher, seines Zeichens Teamarzt der DSV-Nationalmannschaften Skisprung und Nordische Kombination, wird gleich testen, wie es um meine Fitness steht. Das kann nicht gutgehen. Seit einem Muskelfaserriss vor einigen Monaten, habe ich es mir viel zu oft auf dem Sofa gemütlich gemacht, anstatt mich zu bewegen. Und jetzt fühle ich mich wie ein Kind, das zum Zahnarzt muss und fürchtet, es könnte auffliegen, wie schlecht es geputzt hat. Ich weiß, ich sollte mehr Sport machen. Ich will es ja sogar – aber vielleicht doch lieber erst übermorgen...

Hilft nichts, jetzt gibt es kein Zurück mehr. Mit freundlicher Bestimmtheit setzt mich Frau Schwinger, Mitarbeiterin in Dr. Pechers Praxis in Fichtelberg, auf ein Ergometer und schließt mich an so viele Kabel an wie eine Stereoanlage in den 80er Jahren. Es ist Zeit für das Belastungs-EKG, das stets am Anfang der „Fit4Life“-Tage in Bischofsgrün steht: Das innovative Fitnessprogramm mit Elementen wie Nordic Walking und Mountain Biken wird damit exakt auf die individuelle Leistungsfähigkeit jedes Teilnehmers abgestimmt und ist für Wiedereinsteiger wie mich genauso geeignet wie für die Olympiateilnehmer, die Stefan Pecher normalerweise betreut. Doch während es bei Profisportlern um Leistungssteigerung geht, steht bei den meisten anderen die Gesundheit im Vordergrund. Schließlich ist Ausdauer-Sport, wie Dr. Pecher nicht müde wird zu betonen, ein hervorragender Schutz vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und selbst vor Tumoren ­– wenn er sachgemäß betrieben wird.

Hier sehen Sie eine Frau in Sportkleidung, die von einer anderen Frau mit vielen Kabeln an ein medizinisches EKG-Gerät angeschlossen wird.
© Barbara Stummer - Bei dem Belastungs-EKG wird stufenweise die Intensität erhöht bis die persönliche Maximalleistung als Richtwert für das anschließende Training erreicht wird.

Um das zu gewährleisten, strample ich jetzt auf dem Ergometer schnaufend gegen stärker werdende Widerstände an, während mir mehrmals Blut aus dem Ohrläppchen entnommen wird. Das klingt nach einer ausgeklügelten Foltermethode, ist aber harmlos. Und notwendig: Dr. Pecher will feststellen, ob gesundheitliche Gründe wie etwa Herzmuskelveränderungen, vorliegen, die gegen anstrengendes Training sprechen und mit welcher Intensität ich am besten trainieren soll. Die Laktatwerte in meinem Blut verraten, wie hoch meine Herzfrequenz beim Sport sein sollte, um die Ausdauer zu verbessern und die höchste Fettverbrennung zu erreichen.

Mehr Muskeln, bitte!

Die Untersuchung ergibt Erfreuliches. Erstens: Ich bin kerngesund. Zweitens sagt man mir: „Sie haben tiefgestapelt!“ Bei der Auswertung der Testdaten stellte sich heraus, dass ich weniger Waschlappen bin als befürchtet und erstaunlicherweise eine passable Ausdauer mitbringe. Doch bevor ich mich in meinem unerwarteten Ruhm als Sportskanone sonnen kann, setzt Dr. Pecher nach: „In einem Punkt muss ich trotzdem mit Ihnen schimpfen: Sie haben viel zu wenig maximale Leistungsfähigkeit!“ Wusste ich‘s doch – das dicke Ende kommt noch. Zusätzlich zum allgemeinen, eher sanften Ausdauertraining, bei dem die Herzfrequenz unter der anaeroben Schwelle bleibt, verordnet mir mein Sportarzt nun HIIT, ein etwa 30-minütiges Intervalltraining, das hochanstrengende Phasen mit kurzen Erholungspausen abwechselt. Hart aber herz(freund)lich. „Damit lässt sich nicht nur die Leistungsfähigkeit, Sauerstoffaufnahme und Laktattoleranz hervorragend steigern“, wirbt Dr. Pecher. „Man kann damit auch jenseits der 50 noch Muskeln aufbauen. Und die sind bekanntermaßen gleich mehrfach nützlich: Sie schützen vor Knochenbrüchen, helfen beim Abnehmen, weil sie mehr Kalorien verbrennen, und sehen zudem gut aus.“ Ich bin überzeugt.

Kalorienkiller mit Schaf-Safari

Dann wird es ernst: Mit einer Pulsuhr ausgerüstet, die Herzfrequenz, Route, Kalorienverbrauch, Geschwindigkeit und vieles mehr aufzeichnet, entlässt mich Dr. Pecher in die Zuständigkeit meines ehrfurchteinflößenden Nordic Walking-Lehrers. Edgar Eckert ist 8-facher deutscher Meister im Skilanglauf, Olympiateilnehmer und personifizierte Trainings-Kompetenz ... aber auch ein reizender, höchst unterhaltsamer Mensch, mit dem die nächsten 1 ½ Stunden zu einem großen Spaß werden. Über schmale Waldwege und leuchtendgrüne Wiesen geht es durch eine Bilderbuch-Landschaft, die Training mit Sightseeing verbindet. Rechts grasen wuschelige Woll-Schafe, links liegt dichter Fichtenwald. Und während mir die frische Luft des heilklimatischen Kurorts die keuchende Lunge durchpustet, macht sich Urlaubsstimmung breit. Wir umrunden die Naabquelle und stapfen die Stufen zum 929 Meter hohen Weißmainfelsen hinauf – eine urige Granitfelsen-Gruppe mit Aussicht bis zum Schneeberg-Massiv. Den richtigen Nordic Walking-Bewegungsablauf und den Einsatz der Stöcke (dank derer man übrigens 1/3 mehr Energie verbraucht), lerne ich fast nebenbei. Am Ende der einstündigen Tour habe ich 550 Kalorien weggewalkt und eine gesunde neue Freizeitbeschäftigung im Repertoire.

Hier sehen Sie einen meter-hohen Felsen aus Granitblöcken umringt von Nadelwald.
© Barbara Stummer - Das Luisenburg-Felsenlabyrinth besteht aus zahlreichen mehreren Meter breiten Fels- und Granitblöcken und ist Teil des Naturschutzgebiets Großes Labyrinth bei Wunsiedel.

Auf diese Art darf Sport gerne wieder einen größeren Raum in meinem Leben einnehmen. Frisch motiviert mache ich am Nachmittag gleich noch einen Abstecher zu Europas größtem Felsenlabyrinth – die Luisenburg in Wunsiedel. Der abenteuerliche zweistündige Rundweg führt durch enge Felsspalten und mystisch anmutende, 300 Millionen Jahre alte Gesteinsformationen, die Namen wie Tränengrotte und Teufelstreppe tragen und aussehen, als hätten die Gebrüder Grimm sie als Kulisse für ihre Märchensammlung aufgestellt. Das für mich bisher unbekannte Fichtelgebirge entpuppt sich als landschaftliches Highlight und die Natur als ein Fitnessstudio, das nicht nur die Kondition, sondern auch die Laune verbessert.

Das ist der Gipfel!

Hier sehen Sie eine Frau, die auf einem Mountainbike einen Feldweg entlang fährt.
© Barbara Stummer - Mit den E-Mountainbikes von Fit4Life lässt sich die Intensität der Trainingstour um den Ochsenkopf an die individuelle Kondition und Ausdauer anpassen.

Einen weiteren Beweis dafür liefert die Mountainbike-Tour am nächsten Morgen – meine zweite „Fit4Life“-Trainingseinheit. Die Gegend rund um den Ochsenkopf ist mit ihren vielen Anstiegen und Abfahrten und über 100 Kilometer Radwegen das ideale Revier für diesen Sport. Sogar Mountainbike-Größen wie die Vize-Weltmeisterin Anne Terpstra trainieren hier. Damit auch Menschen mit einer Zwergen-Kondition wie meiner das ständige Auf und Ab lieben lernen, unterstützt sie bei „Fit4Life“ ein wunderbares Zaubergerät: Ich bekomme ein nagelneues E-Bike mit beeindruckend dicken Profilreifen für die Sicherheit im Gelände und einem noch beeindruckenderen Motor. Das macht die schweißtreibende Bergtour selbst für Couchpotatos machbar. Auf den flacheren Strecken fahre ich im Eco-Gang, wird es steil, helfen mir Tour- oder Turbomodus über die ärgsten Hürden.

Hier sehen Sie die Spitzen eines dunkelgrünem Nadelwaldes vor blauer Hügellandschaft bei strahlendem Sonnenschein.
© Barbara Stummer - Der malerische Ausblick vom Asenturm erstreckt sich über das Fichtelgebirge hinaus in Richtung Kösseine, Luisenburg und Wunsiedel.

Was mir im Vorfeld wie eine Herkulesaufgabe für Ironman-Teilnehmer erschien, entpuppt sich jetzt als Genusstour mit Trainingseffekt. Besser geht es nicht. Zumal auch hier wieder eine Menge zu besichtigen ist. Besonders schön: Die Aussicht vom Gipfel des Ochsenkopfs (Ja! Ich bin auf den zweithöchsten Berg des Fichtelgebirges geradelt!). Direkt neben dem Gipfelkreuz, auf 1024 Metern Höhe, steht der Asenturm, von dessen Aussichtsplattform man das gesamte Umland überblickt. Ein Stopp hier ist übrigens auch unter Trainings-Kriterien völlig legal. Zumindest in meinem Fall: Der Aufstieg auf das Dach des Turms, über unzählige steile Treppenstufen, treibt meine Herzfrequenz verlässlich nach oben. Dafür geht es anschließend entspannt bergab Richtung Fichtelsee, der bald postkartenschön zwischen tiefgrünen Wäldern hervorlugt – inklusive Bademöglichkeit und schickem Ausflugslokal am Ufer.

Hier sehen Sie einen hölzernen Steg, der über einen See führt, auf dem eine Frau mit einem Mountainbike steht.
© Barbara Stummer - Entlang der Mountainbike-Route sorgen Stege und Seeuferpromenaden für einen regelrechten Naturgenuss.

Ehrgeizige Pläne

Bei diesem Anblick hätte ich beinahe vergessen, dass es bei meinem Besuch im Fichtelgebirge ursprünglich um körperliche Ertüchtigung ging. Zurück im Arztzimmer von Dr. Pecher werde ich schnell wieder daran erinnert: Ausdauer, Muskeln, ein Plus an Gesundheit waren das Ziel! Meine Pulsuhr wird ausgewertet. Und ... ähem... stimmt, ich hätte tatsächlich noch ein bisschen mehr Gas geben können. Ich bin meist in meinem Komfortbereich geblieben, habe allzu große Anstrengungen vermieden. Aber das ist ja auch erst der Anfang! Ein Kickstart für meinen Neubeginn als sportlicher Gipfelstürmer, der mit diesem Programm tatsächlich geglückt ist: Ich habe richtig Lust bekommen, auch im Alltag wieder regelmäßig zu trainieren.

Dabei hilft es, dass Dr. Pecher nicht nur die Auswertung des Gesundheits-Checks und der Pulsuhr-Aufzeichnungen zu mir nach Hause schickt, sondern auch Tipps wie mein Sportprogramm im optimalen Fall aussehen sollte: Zwei Mal wöchentlich ein bis zwei Stunden Ausdauertraining mit niedriger Herzfrequenz, einmal wöchentlich 20 Minuten Training mit etwas höheren Herzfrequenzen und einmal wöchentlich HIIT, bei dem der Körper aufjault wie ein hochtourig gefahrener Motor. Dr. Pechers Plan für meine Ent-Couchpotato-isierung ist ehrgeizig. Wenn ich dieses Pensum schaffe, werde ich vermutlich 100 – hervorragende Aussichten also. Ich bin fest entschlossen, es erstmal durchzuhalten. Und falls ich doch klein beigebe? Dann ist auch die Hälfte des Programms schon ein voller Erfolg. Dr. Pechers Olympiasieger haben sicher auch einmal klein angefangen...

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Barbara Stummer

Die Münchener Journalistin fühlt sich am wohlsten, wenn sie unterwegs ist. Früher hauptsächlich an weit entfernten Orten, an denen es viel zu entdecken gibt. Mittlerweile gerne auch ganz in der Nähe ihrer Heimatstadt – wo es mindestens ebenso viel zu entdecken gibt. Und das, ohne vorher ins Flugzeug steigen zu müssen. Wenn sie nicht gerade neue Wanderwege erkundet oder durch einen der großartigen bayerischen Seen schwimmt, schreibt sie für diverse Magazine über Reise, Kultur und Gesundheitsthemen.

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