Wenn ein König sein Herz verliert...

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... kann Großartiges entstehen. So geschehen mit dem Staatsbad Bad Brückenau, dem bayerischen Pendant zur preußischen Sommerresidenz Sanssouci: Bei seinem ersten Besuch 1818 verliebte sich der spätere König Ludwig I. so sehr in den kleinen unterfränkischen Ort, dass er bis 1862 ganze 26 Mal anreiste. Die Magie von damals ist noch heute an allen Ecken zu spüren. Eine lebende Kulisse also – und das perfekte Umfeld, um sich in aller Ruhe seiner Gesundheit zu widmen.

Rund 100.000 Krüge Wasser wurden im Jahr 1830 aus dem Staatsbad Bad Brückenau nach ganz Bayern verschickt, im Schnitt also 274 Krüge pro Tag! So beliebt war das als „flüssiges Gold“ bezeichnete Heilwasser zu den Hochzeiten des Kurorts. Der Ursprung der Begeisterung ist offiziell auf das Jahr 1747 zurückzuführen. Damals wurde der Ort zu einem der ersten deutschen Heilbäder, gegründet vom Fuldaer Fürstabt Amand von Buseck, der die ersten drei Quellen fassen ließ.

 

Nobles Flair für ruhige Auszeiten

Dazu wurden an einer schnurgeraden Allee drei barocke, pavillonartige Kurhäuser auf zwei Etagen errichtet. Am einen Ende der Baumstraße entstand ein säulenbestandener Kuppelbau, der die Stahlquelle überdachte; auf der anderen Seite der Fürstenbau. 1779 kam das erste Badehaus hinzu, doch durch die französischen Revolutionskriege kam der Kurbetrieb in den folgenden Jahrzehnten fast zum Erliegen.

Brückenau ging 1816 in den Besitz des bayerischen Königshauses über. Der spätere König Ludwig I. machte sich 1818 ein genaueres Bild vom Staatsbad – ein Ortsteil der Stadt Bad Brückenau mit zwei eigenen Heilquellen – und war nach seinem ersten Besuch augenblicklich hin und weg: Im Gegensatz zur turbulenten Münchner Residenz war dieser Ort im Tal der Sinn wunderbar unberührt, für ihn das Paradies – das er fortan kontinuierlich ausbauen ließ. Damals ahnte Ludwig I. noch nicht, dass er hier rund 30 Jahre später auch mit seiner Geliebten Lola Montez flanieren würde. Die Tänzerin und Hochstaplerin kostete ihn letztlich seine Krone: Die Affäre erschütterte die Monarchie dermaßen, dass dem König 1848 nichts anderes blieb als abzudanken.

 

Architektur für die Ewigkeit

Das von Ludwig I. geschaffene Setting rund um den Fürstenbau, in dem er seinen Regierungsgeschäften nachging, war aber auch wirklich verführerisch! Schon 1819 entstand das Bellevue als klassizistisches Gästehaus im toskanischen Stil nach Plänen des Baubeamten Bernhard Morell. Von 1823 an ersetzte der neue Badbau das alte Badehaus von 1779: Entworfen vom königlichen Privatarchitekten Leo von Klenze, der in München unter anderem den Königsplatz, die Alte Pinakothek und die Residenz gestaltete, entstand eine Art dreigeschossiges Palais mit Giebel in der Mitte. Das klassizistische Kursaalgebäude von 1833 entwarf der Hofbauconducteur Johann Gottfried Gutensohn, seitdem lässt es sich unter unzähligen Arkaden flanieren und im Inneren Deckenmalereien im Stil der italienischen Renaissance bewundern. Direkt davor: ein Standbild des bayerischen Königs, der den Ort so prägte.

Auch nach der Regierungszeit von Ludwig I. folgten beeindruckende Gebäude. Das Parkhotel des Münchner Architekten Max Littmann etwa: Der dekorative Bau mit Walmdächern und Balkonen auf drei Geschossen entstand bis 1901 im herrschaftlichen Jugendstil. Zudem erweiterte 1911 der Münchner Hofbaurat Eugen Drollinger unter anderem die frühere Wandelhalle um einen barocken, achteckigen Brunnenpavillon mit acht Säulenpaaren unter einer glockenförmigen Kuppel.

Ein idyllischer Ort, der Geschichte schrieb

Rundherum breitet sich der spätbarocke Schlosspark aus. Nach seiner ursprünglichen Entstehung im Jahr 1747 ist er – natürlich ebenfalls unter Ludwig I. – umgewandelt worden. Gesäumt von noblen Gebäuden, fließen seitdem Architektur und Natur ineinander über, geprägt von akkuraten Achsen, duftenden Blumenarrangements und lauschigen Laubengängen. Aufgelockert wird das gradlinige Ensemble von liebevoll gepflegten Küchengärtchen, außergewöhnlichen Bäumen wie der sogenannten tausendjährigen Eiche und dem romantischen Flüsschen Sinn mit eigenem Sonnen-Plateau.

Bei so viel prächtigem Flair verwundert es kaum, dass Bad Brückenau im 19. und 20. Jahrhundert eines der angesagtesten Bäder seiner Zeit war. Zahlreiche prominente Gästen besuchten den Ort deshalb, 1830 etwa Zarin Alexandra, die Kaiserin von Russland. 1898 erholte sich hier auch vier Wochen lang die österreichische Kaiserin Elisabeth alias Sisi: Sie wohne im klassizistischen Elisabethenhof, in dem der international anerkannte Urologe Dr. Felix Schlagintweit praktizierte. Und 50 Jahre später tagte im Parkhotel der „Ellwanger Kreis“ mit dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer. Währenddessen wurden wesentliche Teile des Grundgesetzes und der Name „Bundesrepublik Deutschland“ formuliert.

 

Klangvolles Rahmenprogramm

So viel lebendige Geschichte! Den passenden Soundtrack dazu bekommt das Staatsbad Bad Brückenau durch die facettenreichen Musik-Veranstaltungen. So kann man beispielsweise jeden Sonntag den gut gelaunten „Sunday Afternoon Classics“ lauschen. Für die ungezwungenen Konzerte steht mal der regionale Musikverein auf der Bühne, mal ein sinfonisches Blasorchester, eine Swing-Band oder ein Blasmusik-Ensemble. Der Donnerstagabend ist für „Lola unplugged“ reserviert: Wechselnde Künstler spielen meist solo oder im Duett mit „gezogenem Stecker“ Hits und Highlights ihres liebsten Genres.

Besonders beeindruckend sind die Auftritte des Bayerischen Kammerorchesters (BKO), das in Bad Brückenau beheimatet ist. Regelmäßig gestalten die Profimusiker in kleinen, variierenden Ensembles etwa die Konzertreihe „Zwischen-Spiel“ mit hochwertiger Unterhaltungsmusik. Doch auch in großer Formation tritt das überregional bekannte Orchester im Staatsbad auf – bei den vierteljährlichen „Jahreszeitenkonzerten“.

 

Natürlich heilsame Anwendungen

Was diesen abwechslungsreichen Highlights das Sahnehäubchen aufsetzt, sind selbstverständlich die heute fünf Mineral- und Heilquellen, die aus der Erde sprudeln. Da das Wasser Jahrhunderte lang durch das vulkanische Gestein der Rhön floss, konnte es sich unter anderem mit wertvollen Mineralien, Spurenelementen, Eisen, Kalzium und Magnesium anreichern. Diese gesundheitsfördernden Inhaltsstoffe sind so ausgewogen, dass sie in Form von Bädern oder Trinkkuren bei zahlreichen Beschwerden ihre wohltuende Wirkung entfalten.

Die GesundheitsexpertInnen im Staatsbad Bad Brückenau wissen natürlich genau, welche individuellen Anwendungen zu ihren Gästen passen. Das Wasser aus der König-Ludwig-I.-Quelle etwa stärkt vor allem Herz und Kreislauf und fördert die Durchblutung, das aus der Lola-Montez-Quelle verbessert das Hautbild und hilft unter anderem bei Beschwerden von Magen, Darm, Galle und Leber. Die Wernarzer Quelle und die Sinnberger Quelle werden gerne bei Nieren- und Blasenerkrankungen herangezogen, die Bad Brückenauer Vitalquelle bei Durchblutungsstörungen. Wem das nicht reicht, der kann auch noch den vom Staatsbad drei Kilometer entfernten Stadtkern Bad Brückenaus besuchen: Im liebenswerten Städtchen mit Fachwerkhäusern und viel fränkischem Flair gibt es zwei weitere Heilquellen.

So viel Geschichte, so viel Genuss, so viel Gesundheit: Im Staatsbad Bad Brückenau kommt man aus dem Staunen kaum heraus. Und das nur wegen eines Königs, der hier sein freigeistiges Herz verlor…

Weitere bayerische Staatsbäder

Hier sehen Sie eine grüne Wiese, bei der im Vordergrund bunte Blumen in einer Reihe angepflanzt sind. Von oben ragen Blätter eines Baums in das Bild und im Hintergrund ist das Kurhaus in Bad Bocklet zu sehen.
Bad Bocklet
Die ganzheitliche Quelle der Gesundheit
 
Zu sehen ist ein großes Gebäude, der Regentenbau in Bad Kissingen. Im Hintergrund ist ein Berg mit vielen Bäumen zu sehen, vor dem Gebäude fließt ein kleiner Fluss, die Fränkische Saale vorbei. Am Flussufer stehen auch Bäume.
Bad Kissingen
Mehr Zeit für sich
 
Das große rote Gebäude aus Backstein ist die Alte Saline in Bad Reichenhall. Hier wird seit langem salzhaltige AlpenSole gefördert. Die Saline ist ein Industriedenkmal und das Salzmuseum ist in ihr untergebracht. Im Vordergrund ist ein schöner Park mit geschotterten Wegen und grünem Rasen zu sehen. Hinter dem Gebäude stehen Bäume und die Sonne geht gerade am blauen Himmel über der Alten Saline auf.
Bad Reichenhall
Alpenkurort fürs entspannte Durchatmen
 
Im Vordergrund sehen Sie ein Wasserbecken mit Fliesen in verschiedenen Blautönen, rechts und links daneben einen Weg, der auf ein Gebäude, die Säulenwandelhalle im Kurpark in Bad Steben zuführt.
Bad Steben
Bayerns nördlichstes Staatsbad